Sandra Rau

Malstunde für Bienen
von Eva Bächtold, Kunsthistorikerin

Es summt und Brummt, vibriert und zittert. Bienen
sind am Werk. Fleissig und getrieben. Der Mai ist kurz.
Honiglust. Nektar und Ambrosia. Süss und klebrig.
Waben und Häuschen. Ordnung und Chaos. Was sehen
die Bienen mit ihren Facetten- und Punktaugen? Orientieren
sie sich an den Farben? Gelb, Blau, Violet, Grün und Schwarz.
Oder auch an den Formen? Raster, Linien. Wie sehen sie
die Landschaften? Den Vogel auf dem Ast? Alles fliesst
zerfliesst im Aquarell. Nass in Nass.
Sandra Rau war 2008 für ein halbes Jahr in Paris. Dort
entstand u.a. in sozusagen akkurater Schönschrift die
Zeichnungsserie écriture. Im Mai 2011 war sie ein zweites
mal dort. Diesmal nur für einen Monat. Für diesen komprimierten
Kurzaufenthalt hatte sie sich eine Arbeitsweise vorgenommen,
die weniger kontrolliert, skizzenhafter bleiben durfte. Sie liess
sich von Neugierde und Lust leiten. Malte und zeichnete in
einem Fluss, oft an mehreren Blättern gleichzeitig. Den
kühlen Kopf, so der Titel einer anderen Serie, liess sie für dieses
mal in Basel zurück. Die Zeichnerin ist immer am Zusammenspiel
von Intuition, Erfahrung und Fehler interessiert, wie sie es
treffend selber formuliert.Die Lockerheit der Entstehungs-
prozesses durfte sichtbar bleiben, Bienenkönigin
Zufall mitregieren. Provisorisches blieb neben Konstruiertem
und Vorgefundenem stehen.